Pratchen aus meinem Leben

Posted 23. Oktober 2009 by jakobwalbe
Categories: Aus aller Welt, Mein Leben

Immer wieder sitze ich im Zug, im Bus oder auf irgendeinem Flughafen rum. Dann greife ich zu meinem kleinen roten Buch, in das ich dann meine Gedanken festhalte. Aus diesen Gedanken entwickeln sich dann  „Pratchen“ – kleine Geschichten, die ich hier mit euch teilen will. Euch, die ich viel zu selten sehe aber die mich immer begleiten, wenn ich mich mal wieder in der Welt rumreise. Diese Reise durchs Leben, erzählt in den kleinen Geschichten und Gedanken mit euch zu teilen bereitet mir viel Freude und ich hoffe dass auch ihr auch euren Spaß an ihnen habt. Ich lade euch ein, auch eure Pratchen mit mir  -und allen hier – zu teilen in Form von Mails oder Kommentaren.

Bis zum nächsten Wiedersehen wünsche ich euch eine sichere „Reise“, gefüllt von schönen Gedanken und freue mich auf eure Pratchen, die ihr von der Reise mitbringt.

Für die, die mich nicht so kennen: manchmal neige ich zur Übertreibung. Und um die Wahrheit  zu sagen, nehme ich es mit dieser nicht immer allzu ernst. Ich hoffe ihr nehmt die Texte so auf wie sie gedacht sind, als nette kleine Anekdoten aus meinem Leben.

Eine Nacht im Hilton Budapest und wie es dazu kam

Posted 3. Dezember 2009 by jakobwalbe
Categories: Aus aller Welt

Ich bin immer zu früh. Immer. Nun gut, neuerdings. Aber neuerdings bin ich immer zu früh. Deshalb kam es so, dass ich schon weit über eine Stunde zu früh beim Flughafen war. Ich hatte den Flughafen noch nicht betreten, da wurde meine Fahrt schon unterbrochen. Von einem fernöstlichen Mönch. Er sammelte für ein Obdachlosenheim und, hauptsächlich weil es eine Mizwa, eine gute Tat ist, spendete ich etwas. Auch war es ein Mönch, und man kann ja nie wissen, eventuell ist es gut, einige Pluspunkte auf mein Konto zu bekommen. Nachher haben die recht und ich werde wiedergeboren. Wenn dann mein Konto negativ belastet ist, steige ich evolutionär ab und werde nachher noch Laborratte. Und das ist wirklich kein schönes Leben. Davon aber später.

Nach dem Einchecken wollte ich einfach nur in das Flugzeug nach Wien steigen, einige Stunden den Flughafen anschauen und dann weiter nach Amsterdam. Aber Irgendwer machte mir einen Strich durch die Rechnung.

Ich saß am Gate rum und wartete, dass Irgendwer erscheinen würde. Irgendwer sollte in den Flieger steigen, der immer noch mein Gate blockierte, obwohl wir schon seit 10 Minuten einchecken sollten. Derjenige, der immer Irgendwer über die Sprechanlage ausrief, hatte auch schon seinen ruhigen, freundlichen Ton verloren. Am Anfang hatte er noch Irgendwer freundlich aufgefordert zum Flieger zu kommen, er würde dort warm erwartet. Langsam wurde seine Stimme härter und er klang etwa so wie Mütter gerne klingen, wenn sie wollen, dass man nach drei Wochen Aufforderungen ENDLICH sein Zimmer sauber macht. Da er damit Irgendwer nur verschrecken würde, stellte er aber den Ton zu einem etwas beunruhigten und lockenden Singsang um. Trotzdem ging es auf die Nerven, im 30 Sekundentakt „Irgendwer, bitte, bitte komm doch mal hier her- UND ZWAR SOFORT!!“ zu hören. Irgendwann wurde es den Sicherheitsleuten wohl zu doof und sie machten sich auf die Suche nach Irgendwer.

Während sie mit den Spürhunden den Flughafen durchkämmten schoben sie uns vor sich her, einen menschenleeren Flughafen hinter sich zurücklassend. Irgendwann waren wir von etwa 50 bewaffneten Sicherheitsbeamten umgeben, die nichts sagten außer „Sicherheitsleck!“ und uns dann hinter eine aufgestellte Absperrung schickten. Da ansonsten keine anderen Ansagen kamen begannen wir Passagiere uns zu organisieren. Ungewollter Moses war ein Geschäftsmann der irgendwie mitbekommen hatte dass man wieder auf den Platz vor der Sicherheitsschleuse kommen konnte. Er ging da hin und wir trudelten hinterher. Wir wurden alle noch mal durch den Metalldetektor geschickt und konnten danach wieder in den Flughafen gehen. Die Sicherheitsleute hatten sich inzwischen zurückgezogen und schienen in dem Informationszentrum eine Party zu feiern, für eine Weile wechselten die Gatenummern auf den Bildschirmen und man konnte große Gruppen von Passagieren von einem Gate zum nächsten laufen sehen. An Stelle der Sicherheitsleute hätte ich wohl auch meinen Spaß gehabt. Inzwischen hatte sich unser Lockvogel vom Mikrofon wieder eingefunden, dieses mal ohne Mikrofon. Zuvor hatte er immer in eins reingesprochen, obwohl ihm nachweislich niemand zuhören wollte, jetzt wollte ihm mal jeder zuhören und er stellte sich mit seiner heiseren Stimme hin  und flüsterte der ersten Reihe zu, dass heute kein Flieger mehr gehen würde. Wir sollen der Praktikantin folgen, die uns in die Gepäckausgabe führen würde. Dann sollten wir zu der Airline gehen, die würde entscheiden was mit uns passiert. Die Praktikantin winkte uns zu und rannte dann schnell weg, gefolgt von einem Mob, aus dem jeder gleichzeitig seine Koffer haben wollte. Zum Glück war ich einer der wenigen, die wusste wohin wir jetzt mussten. Ich sprintete zum Austrian Airline Schalter, dieses mal war ich der gejagte. Durch eine schmale Tür konnte ich einige abschütteln, aber eine Gruppe von Südamerikanern war dennoch schneller als ich am Schalter als ich.

Natürlich waren um die Zeit nur noch zwei Mitarbeiter von Ausrtian Airlines da. Einer davon „half“ übermüdeten Passagieren, der andere erklärte einem Kopiergerät warum es nicht gut sei, dass es grade jetzt seine Pause einlegen wollte. Oder irgend so etwas.

Die Südamerikaner vor mir wollten alle einzeln die Passagierrechte sehen und erklärten unserem heiseren Freund von vorhin, warum ihr Schicksal das schwerste der Welt war und warum sie Unterkunft und Verpflegung mehr bräuchten als alle anderen. Natürlich alle auf einmal und in verschiedenen Sprachen, was den Prozess nicht besonders erleichterte. Oder beschleunigte.

Als ich dran war, war der heisere Freund noch etwas heiserer geworden und bedrohlich den Tränen nah. Ich schaute ihn einfach nur an und sagte „nach Amsterdam bitte.“

Ich glaube so etwas wie Dankbarkeit in seinen Augen gesehen zu haben, er buchte mich für einen Flug nach Amsterdam am nächsten Morgen und ins Hilton Budapest. Und ich hatte schon geglaubt ich müsse in dem Obdachlosenheim schlafen.

Als ich aus dem Büro von Ausrian Airlines raus ging hatte sich eine recht beeindruckende Schlange gebildet, voller Leute die aussahen als wenn sie mehr als einfach nur die Passagierrechte sehen wollten. Direkt hinter mir war eine Gruppe israelischer Geschäftsleute, ich fürchte das das Ende der Schlange den Schalter nie erreichen wird. Ich aber setzte mich in ein, von der Fluggesellschaft gesponsertes Taxi und fuhr ins nächtliche Budapest.

Dreißig Minuten später stand ich vor dem hässlichen Ding, in das ich geschworen habe niemals ein Fuß reinzusetzen. Und dabei geht es nicht mal darum, dass ich es im allgemeinen nicht leiden kann, von eingebildeten Hotelangestellten herablassend behandelt zu werden. Dieses Hotel aber ist so hässlich, dass nicht mal die Freuden der modernen Schönheitschirurgie weiter helfen könnten. Und diese sind wirklich schon ganz schön weit, wie ich im Hotel feststellen konnte.

Das Hotel ist 1976 in all seiner Hässlichkeit eröffnet worden, wobei es nicht nur einfach hässlich sein durfte, es musste auch gleich noch ein Dominikanerkloster aus dem 14. Jahrhundert plattgemacht werden um dafür Platz zu machen. Aber eine Mauer haben sie integriert und so das Hilton zumindest teilweise zu einem historischen Gebäude werden lassen. Ja, ja.

Zudem müssen zwei prominente Gebäude die Anwesenheit des Hotels ertragen, der älteste Gasthof der Burg und das Haus in dem das erste Buch Ungarns gedruckt wurden, müssen sich den Platz mit dem Hilton teilen. Auch von Pest aus verdirbt es einem die Sicht, dieses mal auf die verspielte Fassade der Fischerbastei aus dem Jahr 1895.

Ich hatte mich aus dem backpacker Outfit geschält und versuchte Kleidung zu tragen die dem Haus entsprachen, leider gelang es mir nicht wirklich. Trotzdem ging ich ins Restaurant um mein Abendessen zu mir zu nehmen. Es war dem Stiel des Hotels angebracht. Sehr edel und damit leider auch sehr klein.

Danach beschloss ich noch auf ein Bier in die Hotelbar zu gehen, was ich nach dem Bezahlen bitter bereute. In Pécs hätte ich etwa fünf mal so viel Trinken können und hätte weniger ausgegeben. Aber es ermöglichte mir die Gäste des Hotels genauer anzuschauen und mein Wissen über die Frischhaltetechniken für in die Jahre gekommener Damen auf den neusten Stand zu bringen. Ich hatte mich neben ein hübsches Mädchen gesetzt, die mit ihrem Vater da war, mit der ins Gespräch zu kommen ich hoffte. Nachdem sie ihrem Begleiter, der hoffentlich nicht ihr Vater war, aber dann demonstrativ die Zunge in den Hals steckte, verflüchtigten sich diese Hoffnungen rasch.

Ich wurde an diesem Abend auch nicht alt. Nachdem ich den Hotelpinguinen noch eine Weile die Freude gemacht hatte, mich hochnäsig behandeln zu können, entschloss ich mich doch recht früh ins Bett zu gehen, in dem ich wirklich gut schlief.

Am nächsten Morgen war ich um sechs Uhr am Flughafen. Ich wurde von meinem Freund dem Mönch begrüßt, der sich wunderte, dass ich immer noch da war. Vor alle war er überrascht, dass ich immer noch gute Laune hatte, etwas das mich selber überraschte. Aber ich hatte einen wirklich guten Kaffe ans Bett bekommen. Diese neigen dazu, mich zu besänftigen. Zusammen mit dem Kaffee gab es etwas Brotähnliches, das aber nichtssagend schmeckte und auf diese Weise den Charakter des Hotels recht gut zusammenfasste.

Vier Stunden später checkte ich in das „Flying Pig Hostel“ in Amsterdam ein, in dem ich mit 12 Leuten auf weniger Raum schlafen sollte, den ich im Hilton alleine hatte. Aber ich fühlte mich sau-wohl. Wenn ich die Wahl habe, werde ich wohl noch für eine ganz Weile die Jugendherberge vorziehen, auch wenn man sein Bad teilen muss und man niemanden hat, der einem die Koffer trägt. Was sie mir im Hilton nicht einmal anboten.

Die anderthalb Tage in Amsterdam mit meinen Freunden waren wirklich schön. Irgendwie hatten wir uns alle irgendwie weiterentwickelt, aber wir hatten alle eine gemeinsame Basis. Es war so, als wenn wir nie wirklich getrennt worden wären. Und ich denke ich wurde auch nie getrennt von meinen Freunden.


Meine Bilder Hochgeladen

Posted 2. Dezember 2009 by jakobwalbe
Categories: Akademisches, Aus aller Welt, Leben in Pécs, Mein Leben

Ich habe einige meiner Bilder Hochgeladen,

ihr könnt sie hier finden.

Traurige Nachrichten

Posted 27. November 2009 by jakobwalbe
Categories: Akademisches, Leben in Pécs

Am Donnerstag um etwa 12 Uhr drang win junger Mann in das Institut für Biophysik ein und schoss mit einer Pistole auf seine Gruppenmitglieder. Einer meiner Kommulitonen starb, drei weitere Menschen wurden schwer verletzt. Der junge Mann stellte sich kurze Zeit später der Polizei. Die drei Verletzten, ein weiterer Student, ein Dozent und eine Putzkraft sind jetzt außer Lebensgefahr. Der Schütze war ein Freund des verstorbenen. Als Hintergrund werden Probleme mit der Gruppe und im Elternhaus genannt. Noch am gleichen Abend trafen sich hunderte Studenten vor dem Institut, um Kerzen aufzustellen oder einfach um füreinander da zu sein. Es war beeindruckend wie nah wir alle kamen, aus etlichen Ländern zusammengebracht um uns gemeinsam halt zu geben. Im Kerzenschein war kaum mehr als ein flüstern zu hören, aber es waren nicht viele Worte nötig, wer da war spührte den Trost den der Zusammenhalt brachte.
Ich selber war zu dem Zeitpunkt der Schüsse nicht in der Universität und hörte selber von Frunden zum ersten mal über die Ereignisse. Zunächst konnte ich nicht glauben was ich las, zu entfernt ist der Gedanke, dass jeman eine Waffe auf Mitmenschen richtet. Es ist wohl nicht auszudenken, wie isolert und einsam man sein muss, dass man niemanden hat, mit denen man seine Emotionen und Ängste teilen kann. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass man auch nur auf den Gedanken kommen kann, anderen ein solches Leid antuen zu wollen. So will ich euch danken, die mich in Freundschaft begleiten und auf die ich zählen kann wenn ich ich Probleme habe. Teil einer Familie zu sein, die sich unterstützt und deren Liebe ich mir sicher sein kann, auch oder grade wenn ich lange Zeit nicht mit ihnen sein kann. Ich liebe und vermisse euch und hoffe euch bald wieder in den Armen halten zu können.

… Über den Wolken

Posted 24. Oktober 2009 by jakobwalbe
Categories: Aus aller Welt

Am 08. Oktober verstarb mein Großvater Paul Pasemann. Dieser traurige Anlass war der Grund, warum ich eine Woche später nach Hause geflogen bin. Da auch der Geburtstag von meinem Vater anstand, bin ich schon einige Tage vorher geflogen.

Zusammen mit meiner Familie zu feiern und auch zu gedenken hat mir gut getan und ich habe es sehr genossen mal Zuhause zu sein. Aber wovon ich dieses Mal schreiben will ist der Weg, in meinem Fall der Flug:

Die Tatsache, dass ich mit Lufthansa fliegen sollte begeisterte mich. Sonst eher an den Service von Air Berlin gewohnt, wollte ich mal sehen wie die Großen fliegen. An dem Service von Air Berlin ist an sich nichts auszusetzen, nur haben sie halt nicht diese hübschen Stewardessen, die einen, am Flughafen München kostenlos mit Kaffee umsorgen. Air Berlin fliegt über Nürnberg, wo man bestenfalls von Zeugen Jehovas unterhalten wird.

Die Erwartung auf hübschen Lufthansa-Kaffee und die Freude auf das Wiedersehen mit meiner Familie, sorgten dafür, dass ich zunächst noch wirklich gut drauf war, als ich um zwei Uhr Nachts von Pécs aus in Richtung Budapest unterwegs war. Die kurze Wartezeit von fünf Stunden am Budapester Flughafen gaben dem ganzen doch einen ganz schönen Dämpfer. Aber dann ging es nach München- in Richtung kostenlosem Kaffee. Leider war unser Flieger zu spät, ich konnte den, wirklich großen, Flughafen nur im Laufschritt bewundern, schnappte mir im vorbeilaufen einen Kaffee und rannte trinkend weiter. Leider bin ich kein besonders guter Multitasker, deshalb beschäftigte ich mich mit rennen, nicht mit einer eingehenden Kontrolle von Stewardess und Kaffeetemperatur- von letzterem bekam ich aber sofort Rückmeldung- er war sehr, sehr warm. Egal- noch schnell durch den Duty-Free-Shop (das Gate liegt tatsächlich hinter dem Laden) und als letzter in den Flieger nach Hannover.

Auch wenn ich den Flughafen nur aus den Augenwinkel beobachten konnte, sah ich, wovon ich mich auf dem Rückflug noch näher überzeugen konnte, als ich mit etwas mehr Ruhe über den Flughafen schlendern konnte. Genau wie bei dem Hinflug habe ich mich die ganze Zeit über in einem Terminal aufgehalten, trotzdem hatte ich am Ende eine recht lange Strecke zurückgelegt, um wieder im gleichen Flieger zu landen.

Tatsächlich bin ich auf dem Rückflug mit einem Bus vom Flieger zum einen Ende des Terminals gefahren worden, bin einmal durch das Terminal geschlendert, um dann von einem anderen Bus zurück zum selben Flieger gefahren zu werden. Die Bordbesatzung begrüßte mich mit entsprechenden Grinsen. Bein Verlassen des Fliegers fragte mich der Steward, ob ich auf dem Flug nach München wieder dabei sein werde- sehr lustig.

Als ich über den Flughafen in München geschlendert bin, habe ich mich doch gefragt, warum jemand all diese Geschäfte brauchen kann. Einen Zeitschriftenladen und ein Platz zum einkaufen von überteuerten Sandwichen kann ich noch verstehen, auch den Kaffeestand von Lufthansa. „Duty free“ einkaufen kann ich auch noch nachvollziehen, wenn auch mehr aus Sicht der Ladenbesitzer. Aber was darüber hinaus geht? Ich würde meinen, dass jemand der, sagen wir mal in den Tauchurlaub fahren will, darauf achtet eine Badehose einzustecken. Auch wird wohl kaum einer den warmen Mantel vergessen, wenn er in den Skiurlaub unterwegs ist. Und Leute, die barfuss zum Check-in kommen würde ich einfach nicht durchlassen, egal ob der Barfußreisende danach noch Gelegenheit hat Schuhe zu kaufen. Praktischer Weise kann man auch noch gleich die passenden Koffer einkaufen, bevor man in den Flieger steigt. Dumm nur, dass fast alle zu groß sind und nicht als Handgepäck gelten und daher nicht mit in den Flieger dürfen… Aber jemand, der schusselig genug ist, ohne Gepäck zum Flieger zu kommen, wird auch daran nicht denken. „Komisch irgendetwas muss ich vergessen haben… Bügeleisen aus? Check! – Fenster zu? Check! – Wasser aus? Check! – Koffer mit? Oh, verdammt!“

Staunen über die schier unbegrenzten Möglichkeiten das zu besorgen, was man- wahrscheinlich   Mann – vergessen hat, vergaß ich die Zeit, weshalb ich diese für den Kaffee oder die Stewardess nicht mehr hatte und so musste ich mal wieder durch den Flughafen rennen.

Angespornt von den Shopping Möglichkeiten auf der Erde wollte ich mal sehen, was die Luft so her gibt, und ich muss sagen auch da gibt Lufthansa allerlei her. Bei Air Berlin kann man nur so blöde aufblasbare Flugzeuge, etwas Alkohol und Zigaretten kaufen- so gesehen alles was man auf einem Badeurlaub auf Mallorca braucht, gegeben man hat eine Duty-Free Badehose in München erworben. Bei Lufthansa aber gibt es wirklich alles was man haben will. Und einiges mehr. Natürlich gibt es auch hier die die üblichen Verdächtigen;  Plüschflugzeuge, Flugzeugmodelle oder Flughafen im Taschenformat. Die Idee dabei ist aber, dass man nicht mit Geld, sondern mit Meilen bezahlt. Tolle Sache, wenn man viel Fliegt. Dass man mit Bonusmeilen viel erreichen kann war mir ja schon immer klar, aber dass ich im LH 3464 nach Budapest mit entsprechenden Meilen nicht nur auf First Class „upgraden“ kann, sondern auch die längst überflüssige neue Bosch Bohrmaschine mit Staubabsaugung, für nur 27.000 Meilen, erwerben kann war mir neu. Aber nicht nur der stubenreine Heimwerker kommt auf seine Kosten, auch vergessliche Reisende mit extra Platzbedarf und ohne Koffer können den „Trumi Alpha Collection Trolley XL“ mit 72cm Höhe erwerben. Für nur 243.000 Meilen. Die letzten Menschen die diese Entfernung zurücklegten, waren Eugene Cernan und Herrison Schmitt im Dezember 1972 – auf dem Flug zum Mond.

Für Romantiker gibt es die „Radius Home Flame Collection, Wall Flame I“ aus Edelstal- ein mit Ethanol betankter Kamin zum an die Wand schrauben (mit dem zuvor erflogenem Bohrer) und den passenden Ledersessel. Beides zusammen für nur 628.000 Meilen. Eigentlich unnötig, da man für dieses Vergnügen die Strecke Hannover- Budapest 503 mal fliegen muss. Das bedeutet 1500 Stunden oder 62 Tage lang fliegen. Wer danach noch sitzen will, na bitte. Und bei geschätzten 180.000€ die man für das Rumgegondel hinblättern muss, wird man ihn wohl kaum genießen. Dann doch lieber den „Bordbar Flugzeugtrolley Silver Line Destination“, den original  Flugzeug Getränkewagen . Da kann man sich schon mal an das Flugzeugflair gewöhnen. Man muss dafür immerhin 264 mal nach Budapest fliegen.

Ein Ausflug nach Budapest

Posted 13. Oktober 2009 by jakobwalbe
Categories: Aus aller Welt, Leben in Pécs, Pécs

Es ist nicht meine erste Reise nach Budapest- wahrscheinlich auch nicht meine letzte. In den letzten zwei Jahren war ich nicht nur öfters hier, sondern auch schon in Budapest gelebt. Aber es ist immer etwas Anderes wenn man eine Stadt als Tourist erlebt, oder ob man dort wohnt.

Auch dieses Mal habe ich, um die 228 km zu überwinden, mein liebstes Reisemittel gewählt: den Zug. Ungarische Fernzüge sind, im Gegensatz zu vielen Regionalzügen, moderne, bequeme und vor allem günstige Transportmittel- besonders wenn man Student ist. In Ungarn bekommen Studenten- egal aus welcher Nation- einen Rabatt von 50% – ein Privileg, dass ich verloren habe, noch bevor ich in Deutschland legal Bier kaufen konnte.

Es stehen dem geneigten Kunden verschiedene Optionen der Fahrt zur Wahl, die sich preislich kaum, in der Dauer der Fahrt deutlich unterscheiden. Für umgerechnet keine 8€ kann man sich zwischen drei und fünf Stunden beschäftigen lassen.

Das schöne an Zugreisen im Ausland ist, dass man Menschen trifft und mit ihnen redet. In Deutschland herrscht in Zügen ja gerne eine Diskretion, die sich Post und Lidl nur wünschen können. Ich kam schnell mit einem Englischlehrer aus Pécs ins Gespräch, der auf dem Weg zu seiner Mutter in Budapest war. Wie viele Ungarn fragte auch er mich wie mir das Leben in Deutschland gefalle und vor allem wie die Arbeitssituation aussehe. Das wundert mich inzwischen schon nicht mehr, viele junge Ungarn schauen sich intensiv im Ausland um, da sie kaum Zukunft in Ungarn sehen. Insbesondere nach der Finanzkrise stehen viele Ungarn unter enormen finanziellen Druck, auch da viele Schulden im Ausland gemacht wurden, welche durch die hohe Inflation des  Forints teuer geworden sind. Das Durchschnittseinkommen liegt etwa bei 800€, was aber nicht reicht um eine Familie durchzubringen, weshalb viele mehrere Jobs gleichzeitig haben. Viele Ungarn haben seit Ferenc Gyurcsány, auch noch die Hoffnung verloren, dass sich Ungarns Lage in Kürze bessern könnte. Ferenc ist der Politiker, der 2006 in einer Fraktionssitzung zugegeben hat, das er das mit der Wahrheit nicht immer so genau nimmt, was ihn wahrscheinlich zu einem wirklich ehrlichen Menschen macht. Leider ist die Rede in die Öffentlichkeit gedrungen, was die Unruhen von 2006 hervorgerufen hat.

Von meinem Gespräch mit dem Englischlehrer abgelenkt kam ich pünktlich an dem wunderschönen Keleti Palyaudvar, dem Ostbahnhof von Budapest an. Der Bahnhof wurde 1881 als damals modernster Bahnhof Europas gebaut und ist, seitdem er in den 80´gern renoviert wurde ein wirklich passabler Bahnhof in Budapest, der Berühmtheit erworben hat, dadurch dass er Sarah Connor, einer Sängerin aus Niedersachsen, bei einem ihrer Videoclips als Kulisse diente.

In Budapest angekommen traf ich mich gleich mit Freunden, die über die Herbstferien in Budapest sind. Geführt von einer gemeinsamen Freundin, die in Budapest geboren, jetzt in Hannover lebt, wollen sie Budapest erkunden. Da unsere einheimische Stadtführerin Angehörige besuchen war, traf ich mich mit den beiden Besuchern aus Hannover an der Elisabeth Brücke, der unattraktivsten aller Budapester Brücken. Um den unromantischen Treffpunkt wettzumachen fuhren wir mit der Metro, ich hatte mich verlaufen, was ich aber nicht zugeben wollte, so tat ich als wollte ich sie so oder so nutzen, zur Kettenbrücke. Diese, Budapests älteste und vor allem schönste Brücke hat eine kleine Sage, die sich um die vier Löwen, die die Brücke schmücken windet. Der Ingenieur hatte 1839, als er die Brücke begann, versprochen dass es eine perfekte Brücke wird. Nach der Fertigstellung soll er sich dann aber  voller Gram von der Brücke gestürzt haben, da er feststellen musste, dass die Löwen ohne Zungen auskommen mussten. Ob er wirklich schwimmen gegangen ist, ist unbekannt, doch wenn dem so ist, so wartete er damit bis in sein Todesjahr 1852- drei Jahre nach Fertigstellung. Der Pionier der Kettenbrücken ging zunächst zurück nach England. Er baute keine neue Brücken mehr. Irgendwie scheint die Brücke aber etwas in sich zu haben, der Auftraggeber, Graf István Szétenyi, wurde noch vor Fertigstellung in eine Wiener Nervenheilanstalt eingewiesen. Ob das mit der Brücke zusammenhängt ist nicht sicher, aber plausibel, so musste der Graf über 2000 Tonnen Stahl  für den Bau zusammen zu tragen. Aber immerhin hat er es geschafft, dass eine Brücke nach einem Verrückten benannt wurde. Der ungarische Name ist Szétenyi Lánhid.

Nach einem kurzen Besuch bei den Zungenlosen gingen wir zu der, von Touristen geliebten Markthalle, wo wir zu Mittag aßen. Das Essen ist wirklich nicht nennenswert, mehr schon die Tatsache, dass die, Ende des 19. Jahrhundert gebaute Markthalle mit einer Fassade versehen ist, dessen Steine in der- inzwischen geschlossenen-Porzellanmanufaktur aus Pécs gebaut wurde. Ob das der Grund ist, warum die Manufaktur Pécs großer Stolz ist oder einfach die Tatsache, dass es mal eine Fabrik in Pécs gab, ist heute nicht mehr zu beantworten.

Nach dem kleinen Imbiss machte ich mich erst einmal auf den Weg zu meiner Jugendherberge, in der ich für die nächsten zwei Nachte bleiben wollte. Sie liegt gut erreichbar am Keleti Palyaudvar und ist wie viele ungarische Jugendherbergen etwas unorganisiert, immer etwas zu voll und mit herrlich unkomplizierten Herbergsleitern ausgerüstet. Anders als diese deutschen Jugendherbergen, die steril wie eine Intensivstation im Krankenhaus von Leuten geleitet werden, die deprimierend professionell sind. Solche Dinger haben dann zwar alle möglichen Extras wie Lampen, warmes Wasser und auch mal Klobrillen, nicht unbedingt ein Muss in ungarischen Hostels,  dafür aber auch so viel Charme wie ein IKEA-Blumentopf.

Da ich spät dran war, fuhr ich mit der Metro, der U-Bahn in Budapest, zur Dohany Utca, wo ein Simcha Thora Gottesdienst stattfand, ein Fest bei dem es grob darum geht, dass man die Thora -“Alte Testament“- durchgelesen hat und jetzt von Vorne anfangen kann. Die U-Bahn ist die zweitälteste in Europa, sie ist grade mal 33 Jahre jünger als die London Underground, worauf sich die Briten aber gehörig was einbilden und wurde 1896 eingeweiht. Interessanter Weise war ein wesentlicher Bestandteil der Realisierung die Tatsache, dass man im gleichen Jahr die Milleniumsfeier am Heldenplatz feiern wollte. Dieser wurde auch zu diesem Zweck gebaut, wie viele andere Plätze in Ungarn. Die Ungarn haben sich das Fest wirklich was kosten lassen und da sie keine Ahnung hatte, wie man die Leute anders an den Veranstaltungsort bringen sollte, haben sie halt mal eine Untergrundbahn gebaut. Die 4,2 km unter der prachtvollen Andrasi Utca wurden von 2000 Arbeitern in zwei Jahren ausgehoben, was ich, in Anbetracht der Abwesenheit von Bagger und Co für eine beachtliche Leistung halte. Für den Bau wurde kein Tunnel gebuddelt, sondern ein Graben, welcher später ein Dach bekam, was die Tiefe von knapp drei Metern erklärt.

Wem der Zweck der Bahn als verschwenderisch vorkommt, kann sich beruhigen, die Bahn wird auch heute noch täglich von mehr als 100.000 Leuten befahren.

Der Rest des bis zu 60 Meter tief liegenden Untergrundsystems wurde erst ab 1950 ergänzt, mit Hilfe der Sowjetunion, weshalb versucht wurde den Prunk russischer U-Bahnen nachzubauen. Trotzdem erreichen sie die Millieniumsbahn in ihrer Schönheit nicht, bei der jede Station ein eigenes, farbenfrohes Meisterwerk ist. Was aber das wirklich Beeindruckende im gesamten Tunnelsystem ist, ist die Tatsache dass die Bahnen im 90 Sekundentakt fahren, um dann um 23:10 Uhr komplett zum stehen zu kommen- etwas was ich für eine Weltstadt wie Budapest reichlich überholt finde.

Mit den bis zu 70 km/h schnellen Zügen war ich schnell an der Synagoge an der Dohany Straße, welche auch den schönen Namen „Tabac-Schul“ Trägt – Dohany ist das ungarische Wort für Tabak. Die, mit ihren 3000 Sitzen weltweit zweitgrößte Synagoge war mit grade nicht mal zu einem Viertel gefüllt, hauptsächlich mit Israelis. Es ging zu wie in einer Bahnhofshalle. Die Veranstaltung vorne fand wenig bis keine Beachtung, obwohl der Kantor enorm laut und in Begleitung eines Chors und einer Orgel sang. Die Orgel ist etwas an das ich mich nicht gewöhnen kann, was die Synagoge aber auch so besonders macht. Die Synagoge wurde 1854-59 gebaut von einer nahezu reformen Strömung, die typisch für Ungarn ist, und sich Neolog nennt. Sie sind irgendwo zwischen Konservativ und Orthodox, und scheinbar sehr populär in Ungarn.

Da Simcha Tora (die Freude der Thora) war wurden alle Thorarollen von allen anwesenden -Männern- sieben mal um den Gebetsraum getragen, da es viele waren dauerte es doch einige Zeit. Die umstehenden -Frauen-  Küssten die Thorarollen, aber irgendwie mehr aus Gewohnheit, weniger aus Freude, wie ich es in meiner Synagoge kenne. Auch wurde nicht mit den Rollen getanzt, viel mehr erinnerte es mich an einen dieser Umzüge in Bayern an Totensonntag. Alles in allem hatte es nicht viel mit simcha, mit Freude zu tun.

Am Abend bin ich aber doch noch zu meiner Feier gekommen, in einem kleinen Club in dem eine Band traditionelle jüdische Lieder zu Reggae, Jazz und Tango umkomponiert hatten. Zusammen mit Hippies, linken und eventuell auch einigen Juden mal richtig kosher abzuhotten tat mir dann doch mal recht gut. Da die Party länger als bis 11 Uhr ging, mussten ich natürlich zu Fuß nach Hause laufen…

Am nächsten Morgen machten sich meine Freunde auf, um ins Széchenyi-Bad, einem der Heilbäder in Budapest zu gehen.  Das im Neobarock gehaltene Heilbad im Milleniumpark ist wirklich wunderschön und sehenswert, wenn man auf kleine Türmchen und unendlichen Verzierungen besonderen Wert legt. Ich war bei einem früheren Besuch in Budapest schon mal dort gewesen und habe das Obligatorische getan; den dicken, viel zu wenig bekleideten Männern zugeschaut wie sie im warmen Wasser sitzend Schach  spielten, habe in 40°C heißen Wasser gehockt und festgestellt, dass das auf die Dauer gar nicht gut ist. Daher bin ich dann in den Budapester Zoo gegangen. An diesem bin ich wohl schon einige hundert mal vorbeigegangen, er lag auf meinem „Schulweg“, ich bin aber noch nie reingegangen. Der Zoo ist von der Zahl und der Unterbringung der Tiere überschaubar und überaus durchschnittlich, architektonisch aber teilweise sehr schön. Besonders das Vogelaus aus dem Anfang des 20 Jahrhunderts ist äußerst sehenswert, es faszinierte mich aber auch auf eine andere Weise, in dem ich endlich erfuhr, wie die Bewohner unseres Unischwimmbad auf schlau heißen; Blatta orientalis. Auch konnte ich mich mit stiller Freude auf ein Schlangenbiss freuen. Einers der Terrarien, das für eine giftige, kleine grüne Schlange gedacht war, war offen und faszinierend leer. Jetzt erwartete ich, der bis jetzt vollkommen zu unrecht entspannt durch den künstlichen, grünen Urwald gelaufen war, dass sich jederzeit eine Schlange um meine Füße windet und einen tödlichen Biss abgibt. Im Nachhinein betrachtet ist es wohl doch wahrscheinlicher, dass die Schlange nur auf Urlaub war, damit jemand mal feucht durchwischen kann, ohne dass die Raten für die Lebensversicherung in ungeahnte Höhen schießt.

Vom Moskvár ter, er wurde 1951 in Folge des russischen Regimes willkürlich so genannt, den meine Hannoverschen Freunde und ich als Treffpunkt vereinbart hatten, gingen wir auf die Burg, um uns Budapest von oben anzuschauen. Die Ersten Gebäude der Burg wurden um 1300 gebaut, der größte Teil wurde seitdem immer wieder erneuert und umgebaut, vor allem nachdem die Burg bei den Kämpfen zwischen Herzog Karl V.  und den Türken 1686 weitestgehend zerstört wurde. Auch später wurde die Burg immer wieder umgebaut und erweitert, zuletzt bis 1903 – so ist eine hübsche Sammlung von teilweise wunderschönen Gebäuden an dem Berg am Donauufer versammelt. Man kann eine schöne Zeit verbringen, auf das belebte Pest auf der anderen Flussseite zu schauen, oder einfach durch die teilweise aus dem Mittelalter erhaltenen Gassen zu gehen, um dann um die Ecke zu biegen und eine andere, atemberaubende Aussicht auf die Donau zu haben.

Leider ist die Burg auch bei Hotels sehr beliebt, einige davon haben einen viel zu guten Namen, als dass sie auf den guten Geschmack achten müssen. So kommt es dass die Burg nicht nur die schönsten, sondern auch die hässlichsten Bauten in ganz Budapest beherbergt.

Inzwischen bin ich wieder zuhause, habe die Notizen aus meinem kleinen Buch, dass ich mir extra für Aufzeichnungen auf Reisen mitgenommen habe abgetippt, nicht ohne sie vorher noch etwas zu ergänzen- wie man an der Länge des Eintrags sehen kann. Bevor ich aber zurück ins gemütlich, wenn auch leider herbstlich verregnete und kalte Pécs zurückkehren konnte hat sich die staatliche Eisenbahngesellschaft MAV noch ein kleines Spiel ausgedacht- es nennt sich „Such den Zug“. Es wind vorzugsweise mit über 15 kg Gepäck und in Laufschritt gespielt. Hier sind die Regeln:

  1. Begib Dich zum Keleti Palyaudvar!
  2. Such Dir einen Zug aus, schau auf der Anzeige von welchem Gleis er fährt, gehe zum entsprechenden Gleis!
  3. Stelle fest, dass der gewünschte Zug hier nicht fährt!
  4. Gehe zurück zur Anzeige, stelle fest dass das Gleis sich geändert hat und gehe zum (neuen) Gleis!
  5. Siehe 3.
  6. Wiederhole das einige male bis Du keine Lust mehr hast, steig in den Zug, akzeptiere dein Ziel und
    1. versuch von dort aus dahin zu kommen, wo du ursprünglich hin wolltest.
    2. (empfohlen) versuch dir dort ein schönes Leben zu machen.

Das Spiel ist ein Muss für alle echten Weltenbummler, für Spieler über 100 Jahre aber ungeeignet.

Ich hatte Glück und setzte auf das richtige Gleis- eigentlich folgte ich jemandem der auch nach Pécs wollte und so aussah als ob ein erfahrenen Spieler sei. Daher könnt ihr diese Zeilen nun lesen und ich kann mich wieder der Physiologie widmen.

Liebe grüße aus Pécs – wie leicht hätte es Tatabanya sein können – an euch alle!


Ein Ausflug nach Pécsvarad

Posted 27. September 2009 by jakobwalbe
Categories: Leben in Pécs, Pécs

Heute habe ich mal wieder etwas unternommen. Mit meiner Ungarischklasse waren wir in der Heimatstadt meiner Lehrerin Annamaria, in Pécsvarad. Pécsvarad bedeutet so viel wie  Pécs- Burg und wurde um ca. 1000 vom ersten ungarischen König gegründet. Später wurde es dann zu einem Kloster mit einer kleinen Stadt, die voller stolz 1996 ihre Stadtrechte zurückbekommen hat, wie Annamaria auch kräftig betonte. Mit den kaum 5000 Einwohnern ist es wirklich eine Kleinstadt, die von Pécs aus mit einer sehr eigentümlichen Bahn erreicht werden kann. Sie besteht aus einem Wagen, vorne und hinten mir einem Fahrerstand ausgestattet. Angetrieben wird das ganze von einem alten Schiffsdiesel, der die Bahn auf fast Gehgeschwindigkeit beschleunigt. Zwischendurch kommt der Fahrer durch und kontrolliert die Fahrgäste. Schwarz fahren lohnt sich dabei eigentlich nicht, die Karte kostet 160 Ft (knapp 60 Cent). Obwohl die Bahn mit elektrischen Türen ausgestattet sind, werden diese nur geschossen, wenn es überhaupt nicht anders geht- als wir gefahren sind war es aber anders möglich. Diese Bahn legt die knapp 16 Km von Pécs in sagenhaften 60 Minuten zurück, wobei sie aber an jedem Haus anhält. Oder auch zwischendurch, wenn der Fahrer mit einem Gleisarbeiter einen kleinen Schnack halten will.

Nach der Stunde mit dieser Rumpelbahn sind wir dann (geschüttelt, nicht gerührt) auch angekommen. Nach einem Stadtrundgang (der nicht sooo lange dauerte) sind wir dann in die gut erhaltene  Burg gegangen, aber eigentlich nur um zu sehen, wo wir als nächstes hingehen wollten. Zu einem kleinen Weingut in den Bergen. Auf dem Weg dahin sind wir dann auch nur sieben mal (fast) von Hunden zerfleischt worden – was eine recht beeindruckend niedrige Zahl ist. In Ungarn haben alle, die etwas außerhalb der Stadt wohnen einen Hund (oder kleine Bären, getarnt als Hund) die alles anfallen, was vorbeikommt. Postbote werden in Ungarn wahrscheinlich nur zum Tode verurteilte Schwerverbrecher…. (@ Shir: ECHT!)  Zum Glück hielten die Zäune (fast) alle Hunde und da keiner von uns Postbote ist, erreichten wir das Weingut heil. Dort sollten wir etwas zu essen und drei Weine zum „probieren“ bekommen. Um den Ursprungsort der Weine genauer kennen zu lernen, haben wir dann erst einmal – in dem Anhänger eines Traktors – eine kleine Rundfahrt um das Weingut gemacht. In den Weinbergen wurde eine kleine Pause eingelegt, um den sehr guten Riesling, den wir um uns sehen konnten, auch zu „probieren“. Das dritte Glas war definitiv das beste. Und da der Wein nach Herstellerangaben „Bio“ war (lediglich verfeinert mit Kunstdünger, Schwefel und Stickstoff) brauchte man auch kein schlechtes Gewissen haben. Zudem waren auch die, sehr munteren Kinder der Winzers dabei (sie mussten die Strecke laufen) – und auch ihnen bekam der Wein gut- mit ihren sieben und neun Jahren.

Dann ging es zurück, wieder in dem Anhänger, dieses mal den Berg runter und „offroad“ . Es folgte eine Mischung aus Limbo tanzen, Seilspringen und einem Geschüttel, gegenüber der das Fahren in der Bahn den Komfort einer Limousine auf guter Straße glich. Jetzt begriff ich auch, warum die Kinder hintergelaufen waren. Sie mochten einfach ihre Wirbelsäule gerne.

Zurück im Weingut bekamen wir dann etwas zu Essen (das mit Wein runtergespült wurde)  und schauten uns den Weinkeller an (in welchem wir dafür sorgten, dass es wieder etwas Luft in Weinfässern gab)

Zum Schluss wurden wir dann noch zu Annamaria eingeladen, die für uns Kaffee und Kuchen da hatte (erstaunlicher Weise keinen Wein) und wo wir uns eine Stunde ausruhen konnten.

Danach ging es mit dem Bus nach Hause (der Zug fährt nur bis 4 Uhr) – wir ließen den Tag dann ganz gemütlich ausklingen – auf dem Weinfest.

Dies alles ist ein Beweis, dass ich tatsächlich auch mal rauskomme. Später werde ich das lesen, und wissen, dass es ein Leben gibt. Auch wenn man Medizin studiert.

Shana Tova!

Posted 20. September 2009 by jakobwalbe
Categories: Akademisches, Leben in Pécs, Pécs

Eine neue Wohnung mit dem neuen Jahr – unter diesem Motto bin ich, in die Fußstapfen meiner Eltern tretend, umgezogen. Zum zweiten mal in vier Wochen. Irgendwie waren da noch zwei Monate dazwischen, aber die zählen nicht. Aber ich werde besser noch mal an Anfang beginnen…

Ich habe ja das erste Jahr in Pécs hinter mir. Gegen ende des ersten Jahres habe ich beschlossen, dass ich gerne in eine WG ziehen möchte, einmal aus finanziellen Gründen, aber auch da man alleine grade in der Prüfungszeit doch etwas vereinsamt. Da bei einem Kommilitonen ein Zimmer frei wurde bin ich dann auch am Ende der Prüfungszeit eingezogen, um dann zwei Wochen später, Anfang Juli, nach Deutschland zu kommen.

Anfang September bin ich dann zurück in die Wohnung, nur um festzustellen, dass die Wohnung- die ich vor der Heimreise sechs Stunden geputzt habe- wieder vollkommen schmutzig war. Auch war nicht renoviert worden, was uns die Vermieter versprochen hatten. Angeblich wegen dem Denkmalschutz. Dafür hat mein Mitbewohner wieder neue Munition gesammelt; er liebt es politisch inkorrekte Witze über Israel zu machen, er darf das ja, er hatte eine jüdische Großmutter. Auch kennt er jeden Artikel über Israel bei Wikipedia, leider kennt er nur eines nicht- das Land. So habe ich einige Tage einen jungen hinter mir hertapsen, der ununterbrochen Israel kritisiert hat. Und wenn es grade nichts zu kritisieren gibt, dann kann man ja auch einige lustige Therrorien aufstellen: „Wenn ein israelischer Jude mit palästinensischen Immigrationshintergrund einen christlichen Palästinenser mit israelischer Mutter ein Bein stellt, wie lange muss die UN dann schimpfen, bis der Zentralrat der Juden…“ Muss darauf geantwortet werden?

Mein Vater, der meine Wohnungsentscheidungen mit einer erstaunlichen Gelassenheit aufgenommen hat (sogar bei meiner Wohnung in Budapest) konnte sich ein „Habe-ich-es-dir-nicht-gesagt“ nicht verkneifen und begrüßte meinen Entschluss auszuziehen.

Zum Glück hatte ein Freund von mir grade erfahren, dass seine Mitbewohnerin nicht zurück nach Pécs kommen würde, weshalb ein Zimmer bei ihm frei sei- mit Tiefgarage. Also bin ich wieder umgezogen, zum vierten mal in zwei Jahren. Gesteigert wurde mein Gluck noch dadurch, dass Shira (meine Schwester) mich begleitet hatte. Und es stellte sich herraus, dass sie nicht nur eine gute Beifahrerin ist (sehr gut sogar, wenn sie schläft) sondern auch als Möbelpacker recht viel Talent hat.

Die WG liegt etwa zwei Minuten vom Stadtkern entfernt, etwa 20 von der Uni- eine wirklich schöne Lage- am schönsten ist, dass kaum Baustellen um sie ist. Zwar ist es fast unmöglich mit dem Auto zur Wohnung zu kommen (was den Tiefgaragenstellplatz irgendwie unsinnig macht) aber ich habe keinen Baustellnlärm. 2010 soll Pécs die Kulturhauptstadt von Europa werden, ich glaube aber eher es wird eine Freiluftausstellung für Baustellen – als hätte der Bürgermeister jedem einen Presslufthammer gegeben, mit der Anweisung überall, wo es noch keine Schlaglöcher gibt, einige neue zu machen. Die Pécser, scheinbar im Sommer sehr gelangweilt haben dieses Angebot angenommen und haben Pécs ein wenig umgegraben. Jetzt machen sie die Löcher wieder zu, natürlich macht das Graben von Löchern mehr Spaß, deshalb geht es auch viel schneller…

Aber das mit den Baustellen wird vorbeigehen. Woran ich mich eventuell erst später gewöhnen werden ist die Tatsache dass ich auf der Hauptroute „Studentenviertel – Pubviertel“ wohne. Grade jetzt sind wieder laut (aber sehr harmonisch) singende Ungarn vorbeigezogen, die ihre Durststrecke (von Wohnung zu Pub) überbrücken möchten. Aber ich habe nichts gegen gelegentliche Konzerte… Solange sie nicht schief Lieder von Nena grölen, was meine Landsleute (zu meinem Ärger) zu tun pflegen…

Zu meiner großen Freude habe ich es geschafft Anschluss an die Pécser Gemeinde zu bekommen. Nachdem ich mehrfach bei einem Synagogenmitarbeiter vorgesprochen habe, kam ich die Synagoge, die einen Wandel in meinen Augen gemacht hat. Zuvor war es ein schönes Haus, aber irgendwie nur kulturell interessant, wie ein Museum in einer Fachrichtung die einen persönlich interessiert. Erst nachdem ich zum ersten mal mit anderen Juden darin gebetet habe, habe ich es als ein Ort des Gebets und der Zusammenkunft empfunden.

Hier zahlen sich jetzt auch meine zwei Jahre Ungarisch aus- ich kann tatsächlich (einfache) Dinge fragen und verstehe die meisten Antworten. Einzig die Tatsache, dass wir uns in den letzten Monaten mehr mit Wörtern auseinander gesetzt haben, die als Arzt wichtig sind ist etwas unpraktisch. So habe ich eine nette, junge Dame kennengelernt, sie war auch sehr beeindruckt davon dass ich mich auf ungarisch vorstellen kann, auch nach ihrem Namen fragen- war dann aber irritiert als ich sie, ihrer Aufforderung noch mehr auf Ungarisch zu sagen folgend, nach ihren Schmerzen gefragt habe. Wir haben uns dann auf englisch weiter unterhalten. Mal sehen was die Zukunft so bringt…

Unterdessen hat auch hier die Uni wieder angefangen. Erstaunlich viele sind zurückgekommen, viele teilen auch mein Schicksal, Kurse aus dem letzen Jahr wiederholen zu müssen. In meinem Fall sind es Anatomie und Histologie, die mich -nur im Doppelpack belegbar – erneut erfreuen. Diese beiden Fächer fallen mir nun natürlich bedeutend leichter, aber es ist doch schon interessant zu sehen wie sich die „Ersties“ damit rumschlagen. Ob ich mich genau so dumm angestellt habe?

Jetzt, im dritten Semester (bitte, auch wenn meine Mutter das natürlich nicht lassen konnte, es gibt überhaupt keinen Grund jetzt von mir als „Drittie“ zu sprechen) haben wir die ganzen Gundlagenfächer zum Glück nicht mehr. Physiologie und Biochemie, meine „neuen“ Fächer sind doch spannender, vor allem hat man nun das Gefühl, dass man tatsächlich Medizin studiert.

Physiologie, beinhaltet die normalen Körperfunktionen (und einige Krankheiten) Biochemie ist das auswendig lernen von chemischen Reaktionen im Körper. Grade Physiologie ist spannend, einzig störend ist die Zahl von Stichen die ich inzwischen in meiner Hand habe. Ich habe einen recht vorsichtigen Laborpartner, der mich, immer wenn wir uns Blut abnehmen sollen (also zwei mal die Woche) gaaaanz vorsichtig sticht. Weil gaaanz langsam aber nicht gleichbedeutend mit gaaaaaaanz effektiv ist, kann er dann gleich gaaaaaaanz oft stechen. Toll, oder? In einigen Wochen werden wir viel an Tieren arbeiten (Frösche und Katzen) ich hoffe er hat bis dahin seine Scheu vor dem stechen verloren, ansonsten sehe ich echt frustrierte Frösche vor mir)

Inhaltlich hauen wir ganz schön auf den Putz, wir haben jetzt die Bestandteile des Blutes und den Herz Kreislauf hinter uns, was wirklich viel ist, vor allem wenn man alles auswendig lernen muss.  Das ist aber nicht schlimm, es ist immerhin wirklich spannend, daher macht es wirklich spaß, das alles zu lernen.

In Biochemie, einem Fach in dem man die tolle Möglichkeit bekommt allerlei Reaktionen auswendig zu lernen geht es nicht ganz so spannend zu, vor allem da wir eine Professorin haben, die so einschläfernd vorliest, dass man einfach eine Krise bekommen muss.

Und ich habe mein Lieblingsfach wieder: Sozialmedizin- umettiketiert zu „Umweltmedizin“ mit tollen Weisheiten wie „Wasser kommt von oben“, „es ist nicht nur nass, sondern auch schlecht verteilt“ und „Umweltverschmutzung ist nur nicht unschön sondern auch ungesund“ … Gut dass ich Medizin studiere, ansonsten würde ich wohl nicht so schlau werden…

Das war es eigentlich schon für jetzt. Ich hoffe ihr könnt von mir in Zukunft mehr lesen, und auch dass ich von Euch etwas mehr zu lesen bekomme.

Liebe Grüße aus Ungarn,

Jakob


Willkommen in Pécs

Posted 27. Januar 2009 by jakobwalbe
Categories: Pécs

es ist mal wieder so weit. Über ein halbes Jahr habe ich schon nicht mehr geschrieben, jetzt ist es mal wieder so weit.

Ich bin jetzt also in Pécs gelandet, der kleinen Stadt im Süden von Ungarn. Klein ist eventuell etwas übertrieben, mit seinen 160000 Einwohnern ist es grade noch unter den top five der größten Städte in Ungarn, aber nach den 1,7 Millionen Buderpestanern, die ich das letzte Jahr um mich herum hatte wirkt es doch recht beschaulich. Und das ist das Leben in Pécs wohl auch- wenn man mal von einem Punkt absieht, der Szigeti Utca 72, der Adresse an dem sich das Haus befindet, was mich im letzten halben Jahr gefesselt hat. Hier ist zwar auch ein Pub, den ich aber nicht meine, sondern meine Uni.

Im Juli habe ich ja endlich Post bekommen, von der Szigeti Utca, in der sie mir mitgeteilt haben, dass sie mir einen Versuch geben möchten. Also ging es dann Ende August los, mit einem Theoretisch leeren Auto, welches irgendwie doch recht voll war, mal wieder in Richtung Ungarn. Beleidigt, wohl weil ich das Heimatland meines Skodas nur in der Nacht und in aller Eile durchquert hatte, machte mein Auto meinem Non-stopp-nach-Ungarn-Plan einen Strich durch die Rechnung, indem der Hinterreifen seinen Inhalt über die freie, nächtliche Luft der Slowakei  verteilte. Aber auch meinen ersten Reifenwechsel überstand ich recht gut, dank einiger Lastwagenfahrer, die mir bei meiner Premiere halfen. Dank oder  vielleicht trotz meines GPS kam ich dann auch tatsächlich in Pécs an, eine Wohnung habe ich mir ja schon bei einem Kurzurlaub in Pécs gesichert.

Ich hatte dann noch einige Tage im sommerlichen Pécs, welches mir um einiges besser gefällt als Budapest, vor allem weil es hier wesentlich mehr Grün gibt, und auch weil es beschaulicher ist als Budapest, von der Luft ganz zu schweigen. Einige Bilder habe ich hochgeladen, in meinen „Blog“.

Nach einigen Tagen hatte ich dann erst mal Besuch, und zwar von meinen Eltern, die es sich nicht entgehen lassen wollten, wie ich mal wieder eingeschult wurde. Irgendwie werde ich das Gefühl aber nicht los, dass sie sich vergewissern wollten, ob ich nicht aus Sparsamkeit wieder eine Wohnung mit konstitutiver Gaslieferung (einem Leck im Gasrohr wie in Budapest) bezogen habe. Habe ich aber dieses mal nicht. Ich bin tatsächlich in eine (scheinbar) günstige Wohnung in Uninähe gezogen, die sogar einen Balkon hat, und wie ich finde zwar Rustikal eingerichtet, aber schön ist.

Und am dritten August war es dann so weit, ich war offiziell ein Student an der medizinischen Universität von Pécs. Gleich zu dieser Zeit zeigte sich der konservative Stiel der ungarischen Universitäten, in der größten Mittagshitze fand eine sehr schöne, aber auch sehr warme Einweihungszeremonie statt. Inklusive war ein Schwur, in dem wir uns verpflichteten, unsere Dozenten, die Uni und das Studium zu ehren und unser bestes geben wollten, dass wir gute Ärzte werden, sprich viel lernen. Einzig ein Nebensatz hat mich irritiert, und zwar versprachen wir, dass wir uns „einem Studenten würdig“ verhalten würden. Jetzt kann es sein, dass ich auf den falschen Unipartys war, aber einem Studenten würdig ist ein doch sehr dehnbarer Begriff. Wahrscheinlich soll es bedeutet, dass man, wenn man schon vollkommen besoffen über die Straße von Pécs kriecht, seine Dozenten freundlich zuwinkt, soweit noch möglich.

Und dann ging s los. Anatomie, Histologie, Biologie, Chemie, Physik, Ungarisch und Latein, dazu noch Sozialmedizin begleiten mich seitdem wo immer ich bin. Oder sollten es.

Ich will ehrlich sein, es war ein wirklich gutes Gefühl das erste mal den weißen Kittel anzuhaben und in den Anatomiesaal zu gehen. Nach etwa drei Atemzügen freut man sich immer noch über den schönen weißen Anzug, nimmt den Rest aber nur noch Teilweise wahr, da ein strenger Geruch von Formadehyd das Hirn ein stück weit lahmlegt. Davon ungeachtet, hatten wir im ersten Semester ein strenges Programm vor uns, Skelett und alle Muskel galt es auswendig zu lernen. Wenn ich gewusst hätte, dass es so viele davon gibt…

Und die Verwandlung vom Menschen zum Medizinstudenten hatte begonnen. Schon nach wenigen Wochen begann meine Schwester mich als Schlauberger zu bezeichnen, der immer fachsimpeln muss. Und wahrscheinlich ist es wahr. Ich erinnere mich noch recht gut, wie ich in einer Bar einem Gespräch zwischen Drittsemestlern lauschte, die sich über irgendwelche, vollkommen einfachen Dinge unterhielten, das ganze aber so geschickt mit Fachwörtern auskleideten, dass es unheimlich gebildet klang. Da wird aus einem Muskelkater in der Brust ein „der Musculus pectorales major; der wohl schmerzt, weil die Z-Scheiben teilweise gerissen sind…

Und jetzt erlebe ich mich selber, wie ich immer schlauer rede, grade vor Klausuren, die wir hier in großer Zahl schreiben- und ich muss sagen, manchmal hilft es dem Selbstbewusstsein, was dann kurze Zeit später in der Klausur zunichte gemacht wird.

Das Studium in Pécs hat einen sehr großen Vorteil, der gleichzeitig ein lästiger Begleiter ist: Wir haben kein Physikum, dieses wird durch viele Zwischenprüfungen ersetzt. So haben wir am Ende von jeden Semester unglaublich viel Prüfungen, ebenso innerhalb der Semester. Das ist ja einerseits gut, da man so immer am Ball bleibt, führt aber dazu dass man sich immer wieder Wissen für die nächsten Tag in den Kopf haut, meistens verlässt das Wissen den Kopf dann aber auch gleich wieder, wenn man Glück hat erst während man das Testat schreibt. Da man aber in fast jedem Fach in jeden Thema zwei mal geprüft wird, bleibt es dann halt doch irgendwann hängen.

Inhaltlich macht mir das Studium wirklich immer mehr spaß. War ich in Budapest doch manchmal recht frustriert, kann ich mir inzwischen kein anderes Studium mehr denken. Es fordert mich sehr, was gut ist, auch ist es weitestgehend spannend genug, dass es nicht in reines Auswendiglernen ausartet, auch wenn Auswendiglernen doch der Hauptbestandteil des Studiums ist. Warum es nur weitestgehend spannend ist? Weil es Fächer gibt, die einfach dazu geschaffen wurden, Studenten zu ein wenig Schlaf zu verhelfen. In unserem Falle ist das wohl das neue Fach Sozialmedizin, was sich zunächst spannend anhört, aber letztlich bedeutet, dass wir lernen, dass alte Menschen dazu neigen öfters mal krank zu werden und in ihrer Mobilität eingeschränkt sind- wirklich?

Dazu kommt noch, dass der Dozent das Wort „Vorlesung“ sehr genau nimmt. Er liest vor. Und zwar in einem sehr beruhigenden, gleichmäßigen Ton. Es gibt diesem verbalen Anästhetikum eigentlich nur ein Entrinnen: nicht zur Vorlesung gehen. Da ich das aber auch für eine ungenügende Möglichkeit halte, nehme ich Variante zwei: Adenosinrezeporen mittels 1,3,7-Trimethyl-3,7-dihydro-2H-purin-2,6-dion  zu blockieren. Eine Tasse Kaffee trinken. War das nicht schlau? Und das nach nur zwei Semestern. Ich platz gleich vor stolz.

Budapest – ein Nachtrag

Posted 27. September 2008 by jakobwalbe
Categories: Budapest

Meine Zeit in Budapest ist vorbei, ich war schon eine Weile in Deutschland, bin sogar schon bei meiner nächsten Station, in Pécs angekommen. Bevor ich aber von dieser Station spreche, will ich die letzen Erlebnisse von Budapest mit euch teilen.

Bevor es in die Endrunde ging, hatte ich ja noch eine Woche frei, in der meine Familie plus Freunde mich besuchte. Natürlich haben Touristen eine andere Art eine Stadt wahrzunehmen, auch haben sie andere Ziele als jemand der in dort lebt. Das viel vor allem auf, als meine Geschwister und auch Boris, der Freund meiner Schwester, beschlossen am ersten Abend ihrs Besuches jetztsofortgleichundkeineminutespäter etwas zu Essen haben zu wollen. Da zeigte ich denen doch mal was, dachte ich mir, wir stapften los und ich schaffte es doch tatsächlich mich (oder eigentlich uns) zu verlaufen. Zwar kamen wir an vielen Schnellimbissen vorbei, die leider aber einer kritischen Untersuchung nicht standhalten konnten. Also weiter! Und nur nicht anmerken lassen, dass man keine Ahnung hat wo man grade ist- und eben nicht isst. Ein gelegentliches „ah- und hier ist…“  „hier habe ich mal…“ und ein paar Anekdoten über die Häuserzeile an der wir schon das dritte Mal vorbeizogen und eigentlich dürfte es keinem Menschen auffallen, dass ich vollkommen verloren bin. Das traurige an meinem genialen Plan war nur, dass es an der Realität scheiterte. Die Gesichter wurden länger und das Grummeln kam nicht mehr nur von den Bäuchen. Aber zu guter Letzt fanden wir dann doch noch ein annehmbares Lokal.

Aber auch wenn so ein Familienurlaub nicht unbedingt gut für die Nerven ist, war es eine schöne Woche, die ich mit Familie und Freunden verbringen konnte. Nicht nur, weil ich es endlich mal geschafft habe, mir alle Sehenswürdigkeiten Budapests mal anschauen konnte, was ich bis dahin noch nicht geschafft habe.

Die letzen Wochen habe ich vor allem mit den Vorbereitungen der Endklausuren verbracht. Diese habe ich im Ende Mai geschrieben, nachdem ich mich einige Wochen mit meinen Büchern vergraben habe. Alle Dozenten haben noch mal versucht alles was wir bei ihnen gelernt haben in wenigen Stunden zusammenzufassen, so dass wir den Superbowl der Klausuren überleben konnten. Insbesondere die mündliche Prüfung in Biologie hatte es mir in dieser Zeit angetan, hatten wir doch einige Din A4 Seiten mit Fragen bekommen, auf die wir in wenigen Minuten eine gelungene Antwort finden mussten.

Nun, zunächst habe ich mich in Klausur begeben, bin dann in eine Menge solcher gegangen und habe sie, gegen meine eigenen Wetten tatsächlich alle bestanden, nicht ohne zuvor einige Nervenzusammenbrüche überstehen zu müssen. Zwar habe ich das mir angestrebte Ziel nicht zur vollen Zufriedenheit erreicht, denke aber, dass ich viel gelernt habe.

Die letzen Tage in Budapest habe ich dann damit verbracht, meine Wohnung wieder in den Ursprungszustand zu versetzen und meine Rückreise mittels Bus zu organisieren. Mit dem Bus? Ja richtig, in einem Selbstversuch habe ich noch mal etwas Neues versucht und bin mit Eurolines in Richtung Hannover aufgebrochen.

Das Ganze begann mit einer Wanderung von vier Stunden durch das inzwischen schon recht warme Budapest, in der ich versucht habe den ZOB Budapest zu finden. Natürlich zeigte es sich, dass die Busstation gut erreichbar an der blauen Metroline liegt, genau die Linie die ich oft zum College genommen habe, nur wenige Stationen weiter. Sachen gibt es…

Das eindeutige Endergebnis ist: Auch wenn es umwelttechnisch nicht sinnvoll ist, fliege ich das nächste Mal. Aber etwas Gutes hat es doch- ich habe Europa etwas besser kennen lernen können. Die richtige Route haben die Manager von Eurolines wahrscheinlich mittels Dartpfeilwerfen auf eine Europakarte zu ermitteln, und um ehrlich zu sein, war ihr Ergebnis nicht wesentlich besser als meine beim Blinde-Kuh spielen. Aber macht nichts, ich habe viel gesehen. Wenn ich nicht geschlafen habe. Nach vielen Stunden des hin und her rutschen habe ich festgestellt, dass man schlafen kann, wenn man sich mit den Knien in der Rille zum Vordersitz festklemmt um dann, zusammengerollt, verdreht und weitestgehend kopfüber zwischen die Sitzreihen zu rutschen. In Tibet wäre ich wohl so eine Art Yoga-Star geworden. Nur dass ich in einer Pause fast zehn Minuten gebraucht habe um mich zu befreien um dann, was wirklich wichtig war, zum Klo zu laufen. Leider waren meine Beine so eingeschlafen, dass ich für etwa zwanzig Minuten nicht laufen konnte, weil meine Beine immer weggeklappt sind. Aber wer will schon aufs Klo gehen- auf der Strecke Prag- Berlin. Nach über einem Liter Wasser.

Jetzt wo ich Budapest – wohl endgültig- verlassen habe, kommt es mir nicht mehr so riesig vor. Sogar vermissen tue ich einige Stellen, aber als solches war es mir doch einfach zu groß. Aber es war doch eine gute Zeit, in der ich viel gelernt habe, sowohl inhaltlich als auch wie man sich viel Stoff in recht wenig Zeit einverleiben kann.

Ein Dank geht an alle, die diese Zeit mit mir geteilt haben, mich ermutigt und aufgemuntert haben wenn ich nicht mehr weiter wusste. Ein besonderer Dank geht natürlich meiner Familie, die nicht nur ein Jahr auf meine Anwesenheit verzichtet haben, sonder alles überhaupt möglich gemacht haben.

Köszönöm!